Angestoßen durch die Debatte um den „Nationalpark Egge“ in den vergangenen Jahren wurde auf dem Kreisverbandstag darüber diskutiert, wie sich Naturschutz und Landwirtschaft auf praktikable Weise miteinander vereinbaren lassen. Zu Wort kamen dabei Johanna Dreps-Kahl (Vorsitzende des Waldbauernverbands der Bezirksgruppe Hochstift, Försterin), Peter Rüther (Vorsitzender der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne e.V.), Marie Herbst (Stellv. Vorsitzende Landwirtschaftlicher Kreisverband Paderborn) und für eine überregionale Perspektive Dr. Josef Tumbrinck (Leiter Abteilung Naturschutz im NRW Umweltministerium).
Marie Herbst lobte in der Diskussion erfolgreiche Naturschutzprojekte und -kooperationen zum Beispiel des NWL e.V., der in enger Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne e.V. und den Behörden die Verpachtung landeseigener Flächen in Naturschutzgebieten organisiert. Auch die vom WLV ins Leben gerufene Stiftung Westfälische Kulturlandschaft organisiere viele Naturschutzprojekte, sorge aber auch für einen fairen finanziellen Ausgleich für die Landwirte, sagte die stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende. Peter Rüther von der Biologischen Station pflichtete ihr bei, dass auch er die gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz im Kreis Paderborn wertschätzt.
Johanna Dreps-Kahl bemängelte, dass Naturschutzgebiete in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern nicht bloß mit höheren Auflagen für die Förster und Waldarbeiter belegt sind, sondern diese Flächen gänzlich aus der Bewirtschaftung genommen werden. Holz werde dann vermehrt aus dem Ausland bezogen, wo nicht nachzuvollziehen sei, inwiefern und ob überhaupt Naturschutzmaßnahmen getroffen werden. Damit schwäche man seine heimische Wirtschaft und verlagere die Naturschutzproblematik einfach ins Ausland.
Dr. Josef Tumbrinck äußerste in seinem Anfangsstatement im Hinblick auf den ehemals geplanten Nationalpark Egge, dass er derartige Projekte befürworte, solange sie von der ansässigen Bevölkerung getragen werden. Man dürfe einen Nationalpark oder ähnliches nicht einfach gegen den Willen der Anwohner von oben auf ein Gebiet überstülpen, so der Leiter der Abteilung Naturschutz im NRW-Umweltministerium. Er stimmte auch zu, das Land- und Forstwirte ordentlich für ihre finanziellen Ausfälle entschädigt werden sollen, wenn zum Beispiel ein Naturschutzgebiet auf ihren Flächen entsteht. Allerdings müsse man laut ihm konsequenten Naturschutz betreiben, selbst wenn keine Ausgleichsgelder da seien.
Die stellvertretende Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Marie Herbst sagte dazu, dass die Landwirte und Landwirtinnen allein schon wegen ihrer Flächen und deren Bewirtschaftung Naturschutz betreiben und das die steigende Effizienz der modernen Landmaschinen auch dazu beiträgt, den Boden zu schonen, Pflanzenschutzmittel einzusparen und gezielter zu düngen.
Das Schlusswort hielt der stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Eduard Gockel. Der Kreisverbandstag wurde musikalisch durch das Blasorchester Sintfeld-Echo Haaren unter der Leitung von Franz-Josef Salmen begleitet.