WLV-Kreisverband Paderborn zieht Erntebilanz

Dürrephasen und Erzeugerpreise machen Paderborner Landwirten zu schaffen
Paderborn Die Erntesaison 2026 befindet sich in den letzten Zügen. Während das Getreide (Gerste, Weizen, Roggen und Triticale) bereits seit einigen Wochen abgeerntet ist, findet im Kreis Paderborn aktuell noch die Kartoffel-, Mais- und Zuckerrübenernte statt.
Besonderen Einfluss auf die Ernte im Kreis Paderborn hatte in diesem Jahr eine längere Hitze- und Dürreperiode ab der zweiten Juni-Hälfte. Diese hat die Paderborner Landwirte vielerorts Erträge gekostet. Dabei sah es im Frühjahr noch sehr gut aus. Nach einem wechselhaften März und einem sonnigen April gab es im Mai und der ersten Junihälfte sehr gute Wachstumsbedingungen durch viel Niederschlag gepaart mit vielen Sonnenstunden. Dadurch konnten die Feldpflanzen gut wachsen. Als die Temperaturen im Juni dann aber über mehrere Tage die 30 Grad-Marke geknackt haben, führte das zu einer beschleunigten Abreife in der Kornfüllungsphase. Dadurch waren sowohl die Erntemenge als auch die -qualität niedriger als erhofft. „Durch die Hitze und die Trockenheit ist uns viel Korn noch an der Pflanze verbrannt. Dadurch fehlen uns pro Hektar Weizen etwa ein bis zwei Tonnen zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.“ sagt Marie Herbst, stellvertretende Vorsitzende des WLV-Kreisverbandes Paderborn.
Auch bei Mais und Kartoffeln werden die Paderborner Landwirte am Ende der Saison unterdurchschnittliche Ernten eingefahren haben. Da der Mais erst im April ausgesät und im September geerntet wird, damit im Jahreszyklus also später dran ist als das Getreide, waren die Pflanzen im Juni in vielen Fällen noch zu jung, um die Hitzewelle und die Niederschlagsmängel zu verkraften. Durch ungleiche Regenverteilung unterscheiden sich die Bestände selbst innerhalb eines Feldes oft deutlich. Durch die Hitze ist auch der Mais frühzeitig abgereift und musste teilweise verfrüht geerntet werden.
Dabei kann es auch auf kleinstem Raum zu massiven Unterschieden in der Erntequalität und Menge kommen. Im Kreis Paderborn gibt es zwei sehr unterschiedliche Gebiete: Die Paderborner Hochfläche im Süden und Osten des Kreises und das Niederungsgebiet im Nordwesten. Neben einem starken Höhenunterschied zeichnen sich die Gebiete durch unterschiedliche Böden aus. So hat das Höhengebiet auf der Paderborner Hochfläche sehr lehmige Kalksteinverwitterungsböden, die oft flachgründig und sehr steinreich sind. Im Niederungsgebiet treten hauptsächlich sandige Böden auf. Gemeinsam mit den teilweisen nur punktuellen Niederschlägen sorgen diese Bodenunterschiede für eine hohe Bandbreite an unterschiedlichen Ernteerträgen.
Ein gemeinsames Problem aller Paderborner Landwirte sind jedoch die aktuellen Erzeugerpreise. Mit Ausnahme des Rapses liegen die Preise für alle agrarischen Produkte vom Korn bis zum Schlachtschwein im Keller. Dem entgegen stehen stetig steigende Betriebskosten für Diesel, Pflanzenschutzmittel oder Transportaufschläge. „Die finanzielle Lage unserer Betriebe ist derzeit existenzbedrohend. Wir brauchen mehr als dringend endlich faire Preise, um dem Druck überhaupt noch länger standhalten zu können.“ fasst Marie Herbst zusammen.