Erntebilanz 2026
Landwirtschaft im Vest zwischen Klimastress, Kostendruck und Zukunftszuversicht
Mit dem traditionellen Vestischen Erntedank-Empfang haben die Landwirtinnen und Landwirte im Kreis Recklinghausen am 29. Oktober auf dem Betrieb von Clemens Weßels in Recklinghausen den Abschluss der Erntesaison begangen. Der Erntedank steht für die Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die täglich auf den Höfen arbeiten, und für die natürlichen Grundlagen einer sicheren Lebensmittelversorgung.
Das Landwirtschaftsjahr 2026 war von Hitze und Trockenheit geprägt. Während die Getreideernte insgesamt durchschnittlich ausfiel, gerieten insbesondere Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben unter Druck. Gleichzeitig belasten hohe Betriebsmittelkosten und vielfach niedrige Erzeugerpreise die wirtschaftliche Lage der Betriebe.
Landrat: Landwirtschaft unverzichtbar für die Region
Landrat Bodo Klimpel würdigte die Leistungen der heimischen Landwirtschaft und ihre Bedeutung für die Region: „Die landwirtschaftlichen Betriebe prägen nicht nur das Landschaftsbild, sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln. Den Landwirten gilt außerdem besonderer Dank dafür, dass sie auch in schwierigen Lagen zur Hilfe eilen. Das war bei den Bränden in Hürtgenwald und im Hohen Venn so, wir haben es außerdem gerade erst in Haltern am See erlebt. Nach einem Schaden an einer Abwasserdruckleitung haben Landwirte tagelang mit Tankwagen Abwasser aus dem Regenüberlaufbecken in ein Nebennetz transportiert, damit kein Abwasser in die Gewässer gelangt. Das war eine großartige Unterstützung in einer außergewöhnlichen Lage.“
Ernte 2026: Klimastress und wirtschaftlicher Druck
Nach zunächst günstigen Wachstumsbedingungen im Frühjahr setzten ab Juni starke Hitzeperioden mit Temperaturen von bis zu 40 Grad und ausbleibende Niederschläge den Kulturen zu. Besonders Pflanzen mit hohem Wasserbedarf litten unter der Trockenheit. Die Entwicklung verdeutlicht, wie stark sich veränderte klimatische Bedingungen auf die Erträge auswirken können.
Die Betriebe begegnen diesen Herausforderungen mit angepasster Sortenwahl, wasserschonender Bodenbearbeitung, vielfältigen Fruchtfolgen und Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur. Auch ein effizienter Umgang mit Wasser gewinnt an Bedeutung. Dafür braucht es jedoch wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche Rahmenbedingungen, damit notwendige Investitionen möglich bleiben.
Ein zielgerichteter Pflanzenschutz und eine sachgerechte Düngung bleiben ebenfalls wichtige Voraussetzungen, um Erträge und Lebensmittelqualität zu sichern und Umwelt sowie Gewässer zu schützen. Dafür braucht die Landwirtschaft wirksame Instrumente und praxistaugliche Regelungen.
Hoher Kostendruck belastet die Betriebe
Neben den Folgen des Klimawandels stellen hohe Kosten für Kraftstoff, Dünger, Energie und weitere Betriebsmittel bei vielfach niedrigen Erzeugerpreisen eine erhebliche Belastung dar. Zugleich investieren die Betriebe in moderne Technik, um sich an den Klimawandel anzupassen, Betriebsmittel einzusparen und nachhaltiger zu wirtschaften.
Auch die Tierhaltung steht vor Herausforderungen. Insbesondere die Schweinehaltung ist weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert. Notwendige Investitionen in bessere Haltungsbedingungen brauchen deshalb wirtschaftlich tragfähige Perspektiven.
Regina Böckenhoff: Verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend
Die Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen, Regina Böckenhoff, betonte die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen: „Die Landwirtschaft im Vest steht für eine leistungsfähige und vielseitige regionale Lebensmittelproduktion. Die Betriebe entwickeln sich weiter und übernehmen Verantwortung für Umwelt, Klima, Tiere und Gesellschaft. Dafür braucht es wirtschaftliche Perspektiven und Rahmenbedingungen, die langfristige Investitionen ermöglichen.“
Regionale Landwirtschaft stärkt die Ernährungssicherheit
Die weltpolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig eine verlässliche Lebensmittelversorgung ist. Die heimische Landwirtschaft leistet mit regionaler Produktion, kurzen Wegen und lokaler Wertschöpfung einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Stabilität ländlicher Räume.
„Landwirtschaft ist nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern Teil unserer Daseinsvorsorge. Gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten wird deutlich, welchen Wert eine leistungsfähige regionale Lebensmittelproduktion hat“, lautet die zentrale Botschaft des Erntedank-Empfangs.
Zuversicht trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Trotz der Herausforderungen gibt es Anlass zur Zuversicht. Moderne Technik, neue Sorten und angepasste Anbauverfahren eröffnen Möglichkeiten, die Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Die Betriebe im Vest produzieren hochwertige Lebensmittel und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft.
Zum Abschluss des Erntedank-Empfangs galt der Dank den Landwirtinnen und Landwirten, ihren Familien und Mitarbeitenden sowie allen Partnern der regionalen Landwirtschaft. Erntedank erinnert daran, dass eine erfolgreiche Ernte nicht selbstverständlich ist, sondern das Ergebnis harter Arbeit, fachlicher Kompetenz und des Zusammenspiels von Mensch, Boden, Wasser und Wetter.