Kreisverbandstag | 13. Februar 2026

Tierhaltung in klimatischer Gunstregion hat Zukunft

„Unser Geschäftsmodell funktioniert und wird gebraucht. Wir sind systemrelevant.“ - Agravis-Vorstand Dr. Dirk Köckler beim Kreisverbandstag in Ahaus

Agravis-Vorstand Dr. Dirk Köckler macht 230 Anwesenden beim Kreisverbandstag Mut

Die Tierhaltung im Münsterland bringt gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft mit. Aber dafür braucht es neben unternehmerischem Mut und Begeisterung vor allen Dingen auch mehr Verlässlichkeit bei den Rahmenbedingungen. So lauten die zentralen Botschaften am Mittwochabend beim Kreisverbandstag des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Dazu sind 230 Mitglieder sowie Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft nach Ahaus in die Stadthalle im Kulturquadrat gekommen. Den Hauptvortrag hält dabei mit Dr. Dirk Köckler der Vorstandsvorsitzende eines der größten Agrarkonzerne Deutschlands, der Agravis Raiffeisen AG aus Münster. Als Schlüssel für eine erfolgreiche Landwirtschaft in der Region und damit auch für den eigenen Konzern sieht Köckler weiterhin die Tierhaltung. Das Münsterland sieht er als „Silicon Valley“ der Branche: „Wir haben gerade hier Strukturen, die kurze Wege ermöglichen.“ Dem Standortnachteil hoher Pachtpreise stünden positive Faktoren wie ausgeprägtes Knowhow und Unternehmergeist gegenüber: „Wenn anderswo noch überlegt wird, hat man in Borken schon gebaut.“ Dies sei allerdings kein Selbstläufer, wie der ausgebildete Landwirt und Agrarwissenschaftler in seiner Sammlung wichtiger Handlungsfelder herausstellt. Beim Thema Nachhaltigkeit komme es darauf an, soziale Erfolgsfaktoren mit Ökonomie und Ökologie zusammen zu denken: „Ohne Effizienz ist alles nix. Dies gilt sowohl für die Wertschöpfung pro Hektar. Diese Effizienz können wir als Landwirtschaft aber auch auf anderen gesellschaftlichen Feldern leisten, etwa durch Biodiversitätsoptimierung mit gezielten Maßnahmen.“ Köckler sieht die Zukunftsfähigkeit der Lebensmittelproduktion in einer klimatischen Gunstregion wie Deutschland positiv: „Unser Geschäftsmodell funktioniert und wird gebraucht. Wir sind systemrelevant.“

Energiewende und Flächenkonkurrenz

Genauso diesen Punkt greifen in der Eingangstalkrunde zu den Themen des ländlichen Raums die Ahauser Bürgermeisterin, Karola Voß, und Landrat Dr. Kai Zwicker immer wieder auf. Gerade auch bei der Energiewende loben beide den regionalen Ansatz, dass die hiesigen Wind- und PV-Projekte überwiegend von örtlichen Bauernfamilien und Investoren getragen werden. Der Forderung der Landwirte nach Bürokratieabbau kann Voß nur beipflichten: „Als Stadt sind wir da natürlich häufig in der Rolle, Vorgaben erfüllen zu müssen. Dennoch sehe ich, dass wir in Deutschland das Thema Eigenverantwortung ein Stück weit aus dem Blick verloren haben. Das ist manchmal schwer zu ertragen.“ Beim Thema Landnutzung sieht Zwicker Interessenkonflikte und Flächenkonkurrenzen als unumgänglich an: „Aber es geht um die Entwicklung der Region insgesamt. Wichtig ist, dass das im Dialog mit der Landwirtschaft passiert.“ Unter dem Strich sei es in den letzten Jahren gelungen, den jährlichen Umfang der Umwidmung landwirtschaftlicher Nutzflächen zu verringern.

WLV Bild
Moderator Patrick Liste interviewt Bürgermeisterin Karola Voß und (nicht im Bild) Landrat Kai Zwicker zu Themen des ländlichen Raums.