Lehrkräfte lernen Wassermanagementstrategien auf dem Acker kennen
Lehrerfortbildung auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Bernhard Ridder in Borken
Den Bauernhof als außerschulischen Lernort haben in der letzten Woche Lehrkräfte in Borken-Grütlohn kennengelernt. Im Rahmen eines Fortbildungsnachmittages bekamen Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen Einblicke in die heimische Landwirtschaft. Begleitet durch den Wasser-Experten Carsten Bohn vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V. (WLV) erfuhren die Teilnehmenden, wie die Landwirtschaft im Ackerbau und dem damit verbundenen Wassermanagement Lösungen für den Umgang mit dem fortschreitenden Klimawandel entwickelt. Bohn ist fachlicher Leiter des WLV-Pilotprojektes „Entwicklung eines nachhaltigen und klimaangepassten Wassermanagements“. Der Öko-Planer erläuterte den Ansatz des Feldversuches, an dem Landwirt Bernhard Ridder mit smarter Drainagen-Steuerungstechnik teilnimmt. Drainagen wurden im ganzen Münsterland nach dem Krieg für die zügige Ableitung des Wassers von landwirtschaftlichen Flächen installiert: „Hier versuchen hier einen Paradigmenwechsel“, erklärt der Diplom-Landschaftsökologe, „Wenn das Wasser weg soll, fließt es über die Sammler weiterhin ab. Wenn es bleiben soll, halten die Spezial-Drainagen es in der Fläche. Ich bezeichne das als bewirtschaftete Schwammlandschaft.“ So könne der Wassermangel bei Trockenheit vermindert und die Erträge gesichert werden.
Neben dem Spezialthema Wasser ging es beim Betriebsgang auch um die ganz klassischen Möglichkeiten, die der Lernort Bauernhof für alle Altersstufen bietet – am Beispiel des Hofes der Familie Ridder um einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit konventionellem Ackerbau, Bullen- und Hähnchenhaltung im Initiative-Tierwohl-Standard, Energieerzeugung mit Photovoltaik auf den Stalldächern und Windkraft auf dem Acker sowie nicht zuletzt auch um gezielte Naturschutzmaßnahmen wie einer Streuobstwiese mit weidenden Schafen. An welche Lehrplan-Inhalte man diese Gegebenheiten andocken kann, war begleitend zur gemütlichen Kaffeerunde Gegenstand der gemeinsamen Erarbeitung mit Didaktik-Profi Hubert Koll. Diese Optionen reichen von Weltpolitik und Globalisierung über Nutztierhaltung und Ethik bis hin zu Klimawandelauswirkungen, Technisierung und historischer Entwicklung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Lehrerfortbildungsreihe im WLV-Kreisverband Borken soll turnusgemäß im kommenden Jahr zu einem anderen Schwerpunkt-Thema wiederholt werden, betonte Stephan Wolfert im Schlusswort, in welchem er vor allem auch den Ridders für die Gastfreundschaft dankte.
