Preisdruck bei Schweinefleisch | 12. Juni 2026

WLV befürchtet beschleunigten Strukturwandel in der Veredlung

Statt zusätzlicher Nachfrage durch Sommer und Fußball-WM herrscht am Schweinemarkt Krisenstimmung. Ursache ist ein Überangebot auf dem europäischen Markt.

Die Hoffnungen der Schweinehalter auf eine Markterholung im Sommer haben sich nicht erfüllt. Statt steigender Nachfrage durch Grillsaison und Fußball-WM sind die Preise für Schlachtschweine weiter gefallen. Mit aktuell 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht hat der Markt einen neuen Tiefpunkt erreicht. In der Folge schreiben Schweinehalter rote Zahlen, viele davon bereits seit Monaten. „Der neuerliche Preisverfall am Schlachtschweinemarkt macht mich fassungslos“, sagt WLV-Präsident Hubertus Beringmeier.

Weltweites Überangebot sorgt für hohes Angebot auf dem EU-Markt

Nach Einschätzung des WLV liegen die Ursachen nicht in Deutschland. Vielmehr drückt ein Überangebot an Schweinefleisch auf den gesamten europäischen Markt. Die üblichen Impulse für den Absatz blieben aus. Deshalb greifen derzeit auch bekannte Marktmechanismen nicht wie erwartet.

Zur Entschärfung der Krise sieht der WLV keine einfachen Lösungen, Forderungen nach einem Boykott von Schlachtunternehmen bewertet er kritisch. Das Problem sei nicht national, sondern europäisch. Er lasse es sich nicht durch Druck auf einzelne Marktteilnehmer lösen. Auch eine Förderung der privaten Einlagerung sieht der Verband skeptisch. Dadurch werde das Überangebot lediglich verschoben, nicht beseitigt.

Der WLV befürchtet, dass die anhaltende Krise den Strukturwandel in der Schweinehaltung weiter beschleunigt. Viele Betriebe stehen vor schwierigen Entscheidungen. So werden Investitionen zurückgestellt, die Bereitschaft zu teuren Stallumbauten sinkt und Ausstiege aus der Schweinehaltung werden wahrscheinlicher. Besonders Investitionen in Ställe der Haltungsformen 3 und 4 geraten unter Druck, wenn wirtschaftliche Perspektiven fehlen.

Mittelfristig erwartet die Branche wieder steigende Erzeugerpreise für Schweinfleisch.

Der WLV fordert von der Politik Instrumente, mit denen Betriebe Preiskrisen künftig besser abfedern können.

Dazu gehört insbesondere die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage sowie mMehr unternehmerischer Spielraum für die Bildung finanzieller Reserven.

Zusätzliche Absatzchancen sieht der WLV auf internationalen Märkten. Positiv bewertet der Verband, dass Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer den Drittlandsexport wieder stärker in den Blick nimmt. Insbesondere China bleibt ein wichtiger Markt für Schweinefleisch. Von neuen Exportmöglichkeiten erhofft sich der Verband Entlastung für den europäischen Markt.