Getreideernte | 25. Juni 2026

Getreideernte in Westfalen-Lippe startet mit der Gerste

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WLV-Präsident Beringmeier: „Sommerliches Wetter erleichtert eine zügige und trockene Ernte“

Münster <wlv> Die Getreideernte 2026 in Westfalen-Lippe hat begonnen: In diesen Tagen rollen die Mähdrescher auf den Feldern und ernten die Wintergerste, die im Herbst 2025 ausgesät worden ist. Nach einer erneut ausgeprägten Frühjahrstrockenheit mit geringen Niederschlägen und spürbarem Wasserdefizit in den Böden folgten insbesondere in den letzten Wochen teils ergiebige Niederschläge. Aufgrund der warmen Temperaturen im Juni sind die Bedingungen für die Gerste und weitere Bestände insgesamt gut. Die ersten Ergebnisse bei der Wintergerste deuten vielerorts auf ein gutes Ertrags- und Qualitätsniveau hin. Mit der Gerste beginnt traditionell die Erntesaison. Ab etwa Mitte Juli folgen Sommergerste, Weizen, Triticale, Roggen, Hafer und Raps.

„Wie in jedem Jahr variieren die Erträge regional zum Teil erheblich. Für die Wintergerste war es von Vorteil, dass die Abreifephase von trockenem Wetter und zuletzt hohen Temperaturen begleitet wurde. Die aktuellen Witterungsbedingungen helfen uns, das Getreide zügig und trocken einzubringen. Für die weiteren Kulturen erwarten wir derzeit überwiegend gute Qualitäten, auch wenn die Erträge je nach Standort unterschiedlich ausfallen werden. Auf leichteren Böden liegen die bisherigen Erträge der Wintergerste bei etwa sechs bis sieben Tonnen pro Hektar, auf besseren Standorten bei acht bis neun Tonnen“, sagt Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. „Die Niederschläge der vergangenen Wochen haben die Wasserversorgung vieler Kulturen ausreichend sichergestellt. Insbesondere der Mais hat davon profitiert und zeigt aktuell eine gute Entwicklung. Für einen reibungslosen Verlauf der Ernte bleiben stabile Hochdruckphasen mit trockenem Wetter entscheidend“, so Beringmeier weiter.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Betriebe bleiben jedoch angespannt. Neben weiterhin hohen Produktionskosten sorgen insbesondere die Entwicklungen auf den internationalen Agrarmärkten für zusätzliche Unsicherheit. Die anhaltenden geopolitischen Konflikte und kriegsbedingten Störungen wichtiger Exportregionen haben die globalen Getreidemärkte weiter destabilisiert. Die hohen Öl- und Gaspreise steigern die Kosten für Betriebsmittel wie Dünger, Strom und Kraftstoff darüber hinaus erheblich. Schwankende Preise, gestörte Lieferketten und veränderte Handelsströme erschweren die Planung für landwirtschaftliche Betriebe erheblich. „Die Situation an den internationalen Getreidemärkten ist nach wie vor von großer Unsicherheit geprägt. Trotz teilweise ordentlicher Erntemengen bleiben die Erlöse vieler Betriebe unter Druck und stehen in keinem Verhältnis zu den gestiegenen Kosten für Betriebsmittel, Energie und Logistik“, betont Beringmeier.

Auch pflanzenbauliche Herausforderungen nehmen weiter zu. Schädlinge wie die sich ausbreitende Schilf-Glasflügelzikade stellen eine zunehmende Bedrohung dar, da die von ihnen übertragenen Krankheiten zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen können. Aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes bleibt der Einsatz wirksamer Pflanzenschutzmaßnahmen daher ein wichtiger Baustein zur Sicherung der Ernten.

Rund drei Viertel der landwirtschaftlichen Fläche in Westfalen-Lippe (rund 730.000 Hektar) werden für den Ackerbau genutzt. Wichtigste Getreideart ist weiterhin der Weizen. Der überwiegende Teil der Ernte wird als Futtermittel für Nutztiere verwendet. Mit der Maisernte endet die Erntesaison traditionell im September und Oktober. Für die Dauer der Erntezeit ruft der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband zur gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf. „Die eingesetzten Maschinen werden zunehmend leistungsfähiger und größer. Das führt auch zu Einschränkungen im Straßenverkehr. Wir bitten daher alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis und Aufmerksamkeit. Gegenseitige Rücksichtnahme ist entscheidend, damit die Ernte sicher und zügig abgeschlossen werden kann“, appelliert Beringmeier im Rahmen der Initiative „Rücksicht macht Wege breit“, die gemeinsam mit der Landesverkehrswacht und der Provinzial Versicherung durchgeführt wird.