Mercosur-Abkommen | 22. Mai 2026

EU plant Importstopp für brasilianisches Fleisch

Auslöser des Stopps sind fehlende Nachweise zur Einhaltung europäischer Regeln gegen Antibiotika-Resistenzen.

Nur wenige Wochen nach dem vorläufigen Inkrafttreten des Mercosur-Abkommens plant die EU ein Importverbot für Fleisch und weitere tierische Produkte aus Brasilien. Ab dem 3. September sollen unter anderem Rindfleisch, Geflügel, Eier, Honig sowie Tiere und Aquakulturprodukte aus Brasilien nicht mehr in die EU eingeführt werden dürfen.

Laut EU-Kommission kann Brasilien bislang nicht ausreichend belegen, dass der Einsatz von Antibiotika über die gesamte Lebensdauer der Tiere hinweg den europäischen Vorgaben entspricht. Diese Standards gelten für EU-Erzeuger bereits seit 2022 und sollen auch für Importe angewendet werden.

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Europäische Anforderungen gelten für unsere Betriebe jeden Tag. Deshalb ist es nur konsequent, dass diese Standards auch bei Importen durchgesetzt werden – auch wenn dieser Schritt sehr spät kommt.

Brasilien wurde deshalb nicht in die aktuelle Liste der für Exporte zugelassenen Länder aufgenommen. Die übrigen Mercosur-Staaten Argentinien, Uruguay und Paraguay bleiben hingegen exportberechtigt.

Politisch ist die Entscheidung brisant. Europäische Landwirte hatten das Mercosur-Abkommen lange kritisiert und auf ungleiche Produktionsstandards hingewiesen. Vertreter aus EU-Parlament und Bauernverbänden begrüßen den geplanten Importstopp nun als konsequente Anwendung europäischer Regeln und als Beitrag zu faireren Wettbewerbsbedingungen.

Scharfe Kritik aus Brasilien

In Brasilien stößt die Entscheidung dagegen auf scharfe Kritik. Regierung und Fleischindustrie sehen darin teilweise eine versteckte Handelsbarriere zum Schutz europäischer Produzenten. Der brasilianische Fleischverband verweist auf strenge nationale Kontrollsysteme und betont, die Anforderungen der EU erfüllen zu können.

Für Brasilien hätte ein dauerhafter Ausschluss erhebliche wirtschaftliche Folgen: Die EU zählt nach China zu den wichtigsten Absatzmärkten für tierische Produkte aus dem Land. 2025 exportierte Brasilien Fleischprodukte im Wert von rund 1,8 Milliarden Dollar in die Europäische Union.

Die brasilianische Regierung versucht nun, das Verbot noch abzuwenden. Das Agrarministerium hat bereits neue Regeln zum Einsatz antimikrobieller Stoffe beschlossen. Gleichzeitig laufen Gespräche mit der EU über zusätzliche Nachweise und Kontrollmechanismen. Ob dies ausreicht, um den Importstopp zu verhindern, ist derzeit offen.