Weichenstellung in Tierhaltung und Düngerecht dringend notwendig

Mehr Perspektive für Tierhaltung, weniger Pauschalauflagen beim Düngen: Beim Havichhorster Presseabend setzt der WLV klare Prioritäten für 2026.
Beim Havichhorster Presseabend am 12. Januar 2026 hat der WLV seine agrarpolitischen Schwerpunkte für das Jahr 2026 vorgestellt. Im Mittelpunkt des Abends stand der Austausch mit Medien. Präsident Hubertus Beringmeier betonte vor Presservertretern: "Der Verband bleibt eng im Gespräch mit der Bundespolitik und nimmt mit Blick auf die NRW-Landtagswahl 2027 auch Düsseldorf stärker in den Fokus".
Positive Entscheidungen im Jahr 2025
„Nach einem Jahr Bundesregierung bewerten wir einige Entscheidungen ausdrücklich positiv – etwa die Agrardiesel-Rückerstattung ab 2026, die Aufhebung der Stoffstrombilanzverordnung, Entlastungen im Rahmen des Energie- und Stromsteuergesetzes sowie gelockerte Schwarzbrache-Regeln zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade im Ackerbau“, sagte Beringmeier.
Große Aufgaben für die Politik 2026
Gleichzeitig gibt es nach Einschätzung des Verbandes aber weiterhin „große Juckepunkte“, die das Gros der landwirtschaftlichen Betriebe betreffen. Beringmeier hob besonders die Tierhaltung hervor: „Die Aufhebung der Förderung für Stallumbauten nimmt unseren Betrieben mit Tierhaltung jegliche Perspektive. Es braucht ein tragfähiges Programm, das unsere Tierhalter zur Weiterentwicklung ihrer Betriebe ermutigt und auf diese Weise Investitionen in Tierwohl-Stallumbauten langfristig begünstigt. Weiterhin werden wir nicht müde, auf dringend notwendige Erleichterungen im Bau- und Umweltrecht hinzuwirken. Dann erst wären Tierwohl-Umbauten ohne Bestandserweiterung überhaupt genehmigungsfähig.“
Da bereits aktuell die Beratungen zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum 2028 bis 2034 laufen, unterstreicht der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband seine Forderungen, insbesondere:
Erhalt der Mittel
eine verbesserte, flächendeckende Förderung von jungen Landwirten
eine praktikable und profitable Gestaltung von Agrarumweltmaßnahmen.
Große Erwartungen vor der Landtagswahl NRW
Mit Blick auf NRW erwartet der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband vor der Landtagswahl eine agrarpolitische Weichenstellung für landwirtschaftliche Familienbetriebe. Demnach müssen die Themen Wettbewerbsfähigkeit, Zukunft der Tierhaltung und ländlicher Räume, Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit im Ackerbau, Erneuerbare Energien und Waldbewirtschaftung sowie Bürokratieabbau im Vordergrund der politischen Bemühungen um Wählerstimmen stehen.
Zahlreiche Themen im Blick
Zusammen mit den Vizepräsidenten Michael Uckelmann und Henner Braach stellt Hubertus Beringmeier den Pressevertretern vor, welche Themen die landwirtschaftlichen Betriebe aktuell bewegen.
Tierhaltung: Förderstopp bremst Tierwohl-Umbauten
Der WLV fordert ein tragfähiges, langfristiges Programm, das Tierhalter wirklich zum Umbau ermutigt. Dazu gehören auch Erleichterungen im Bau- und Umweltrecht, damit Tierwohl-Umbauten ohne Bestandserweiterung überhaupt genehmigungsfähig werden.Markt: Schwein unter Druck, Milch verunsichert
Der Schweinepreis ist nach einer Absenkung um 15 Cent auf 1,45 €/kg Schlachtgewicht stark gefallen. Der WLV nennt den Einbruch „inakzeptabel“ und fordert die Schlachtbranche auf, „umgehend einzulenken, um die Existenz der heimischen Schweinehaltung nicht weiter zu gefährden“.
Auch am Milchmarkt sieht der WLV ein rückläufiges Preisniveau und wachsende Unsicherheit. Im Ökomarkt steigt zwar die Nachfrage, aber die Umstellungsbereitschaft bleibt verhalten.Düngerecht: Weg von pauschalen Auflagen
Zwei Urteile des Bundesverwaltungsgerichts verpflichten den Bund zur Überarbeitung des Düngerechts. Der WLV drängt darauf, die Landesdüngeverordnung aufzuheben und künftig Verursachergerechtigkeit und Verhältnismäßigkeit zu stärken.Wolf: Schutz der Weidetiere hat Vorrang
Der WLV fordert seit Jahren wirksame Möglichkeiten zur Regulierung. Hintergrund: Der Schutzstatus wurde herabgesetzt und das Bundeskabinett hat sich für die Überführung des Wolfs ins Bundesjagdgesetz ausgesprochen.Zuversicht: Projekt soll Aufbruch stärken
Der WLV unterstützt das Projekt „Zuversicht“, das Aufbruch, Optimismus und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will. Braach begründet das mit der Kraft gemeinschaftlicher Strukturen – gerade im ländlichen Raum, wo sich Bauernfamilien vielfach engagieren. Konkreter Beitrag aus Westfalen-Lippe: Vier junge landwirtschaftliche Vertreter arbeiten in bundesweiten Workshops mit rund 150 Teilnehmenden an Ideen, wie Zuversicht in die Gesellschaft getragen werden kann.